O Heiland, reiß die Himmel auf!

Geistliches Wort zum Advent 2020

Warten …
Harren …
Meine Seele …!

Ich
Warte
Harre
… des Herrn.

Psalm 130

Es droht eine beklommene Adventszeit zu werden. Wie lange müssen wir uns fürchten? Und einschränken? Und die Nähe meiden? Und Aufpassen?

Wie werden wir mit diesen Sorgen Weihnachten feiern?

In der Pandemie hat die Lebensgefahr so weit in unser Leben ausgegriffen, dass fast alles dadurch mindestens getrübt, wenn nicht bedroht oder beendet ist. Viele sind traurig und erschöpft. Was soll das für eine Adventszeit werden?! Wie sollen wir uns mit der Erschöpfung in dieser doch sonst so schönen Zeit unterbringen? Unsere Adventslieder machen uns das leicht. Sie nehmen uns, wenn wir traurig sind, mit offenen Armen auf und geben uns eine treffende Sprache:

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm, tröst uns hier im Jammertal.

So heißt es im Lied „O Heiland, reiß die Himmel auf“ von Friedrich Spee. Und auch: „Hier leiden wir die größte Not …“

Im Lied kann man das singen, und es ist schön. Man kann einmal äußern, dass es hier gerade ein Jammertal ist, und es muss einen oder eine nicht niederdrücken, es gibt vielmehr eine eigentümliche Kraft, obwohl doch nichts wirklich besser wird. Vielleicht können wir es „Wehmut“ nennen.

Die Fähigkeit zur Wehklage ist uns ja gründlich abhanden gekommen. Beim Jammern fürchten wir allzu leicht die lähmende Bedrückung einer Depression. Dabei ist, das Weh zu fühlen und auszudrücken, eine menschliche Fähigkeit, die uns standhalten lässt. Weh zu klagen macht Mut, lässt dulden, und das zu können, gibt das gute Gefühl der Wehmut.

Aus einem anderen Adventslied, dem „Wie soll ich dich empfangen?“ von Paul Gerhardt:

Was hast du unterlassen
zu meinem Trost und Freud,
als Leib und Seele saßen
in ihrem größten Leid?

Als mir das Reich genommen,
da Fried und Freude lacht,
da bist du, mein Heil, kommen
und hast mich froh gemacht.

Das schreib dir in dein Herze,
du hochbetrübtes Heer,
bei denen Gram und Schmerze
sich häuft je mehr und mehr;

seid unverzagt, ihr habet
die Hilfe vor der Tür;
der eure Herzen labet
und tröstet, steht allhier.

Diese Adventszeit kann eine werden, in der wir ausharren, aushalten mit weiten Herzen, auch wenn nichts besser geworden sein wird in der Pandemie und anderen Katastrophen. Denn wir singen nicht: „Mach das weg!“, sondern „O Heiland, reiß die Himmel auf!“ Wehmut gewinnen wir im besten Sinn, wenn der Himmel aufreißt, wenn sich uns noch eine andere Wirklichkeit in der Seele öffnet.

Dann verändert sich auch das Finstere und Bedrückende. Ein letztes poetisches Stück aus dem Lied „Nun komm, der Heiden Heiland“ von Martin Luther:

Die Krippen glänzt hell du klar,
die Nacht gibt ein neu Licht dar,
Dunkel muss nicht kommen drein,
der Glaub bleib immer im Schein.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen eine gesegnete Adventszeit!

Pastor Dr. Kord Schoeler

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