Gottesdienst 24.01.2021

Predigt vom 24.01.2021 zu Rut 1,1-19:

von Pastor Andreas Turetschek

1 Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. 2 Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. 3 Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. 4 Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, 5 starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann. 6 Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. 7 Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, 8 sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. 9 Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten 10 und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. 11 Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? 12 Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, 13 wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen. 14 Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. 15 Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. 16 Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. 17 Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. 18 Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. 19 So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen. 

Liebe Gemeinde, 

der Bericht aus dem Alten Testament über Noomi und Ihre Familie hat etliche Berührungspunkte mit der heutigen Zeit.

Zum einen natürlich mit Weihnachten. Das kleine Örtchen Bethlehem ist Ausgangspunkt und Zielpunkt der Geschichte und für uns zum zentralen Punkt der Weihnachtsgeschichte geworden. 

Zum anderen erinnern mich die zum Teil exotischen klingenden Namen ein wenig an Tolkiens „Herr der Ringe“. Zumindest Machlon oder Kiljon könnten gut und gerne auch zu den Zwergen aus der „Hobbit-Triologie“ gehören. 

In jedem Fall erinnert es mich an Hochzeiten. Gerne wählen Paare Ihren Trauvers aus unserem Bibelabschnitt: 

„Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ Rut 1, 16 

Lebensgemeinschaft, Schicksalsgemeinschaft, bleibende Liebe und Verbundenheit kommen in diesem Vers zum Ausdruck. 

Dennoch ist der Hintergrund dieses Verses alles andere als romantisch. Eine Hungersnot vertreibt eine Familie aus der angestammten Heimat. Dann stirbt der Ehemann und damit der rechtlicher Vertreter und Versorger der Familie. Zu allem emotionalen und existentiellen Verlust kommt ein weiterer Tiefschlag. Beide Söhne sterben, viel zu früh und dann auch noch kinderlos. 

Emotional geschlagen, rechtlich hilflos, entwurzelt und ohne Heimat oder Zukunft – so wird Noomi fast zum weiblichen Pendant von Hiob. 

Auf diesem Hintergrund verwundert mich dieses Treue- und dieses Glaubensbekenntnis immer wieder aufs Neue. Trotz solcher Tiefschläge und trotz dieses derben Schicksals bewahrt Noomi ihren Glauben an Gott und seine Güte. 

Anstatt mit Gott und dem Leben fertig zu sein, inspiriert sie ihre Schwiegertochter Rut zu solch einem Glaubens- und Liebesbekenntnis. 

Welch ein Glaubensvorbild! Für mich könnte das alttestamentliche Buch daher auch gut und gerne Buch Noomi heißen. 

Vielleicht bietet sich gerade hier ein guter Anknüpfungspunkt für uns Heutige. Hier begegnet kein Mensch, bei dem alles glatt gelaufen ist und dem daher auch die Hoffnung und der Glaube leicht fällt. Mit Noomi und auch Rut begegnen uns zwei Frauen, denen emotional und auch existentiell unheimlich viel zugemutet wurde, von Gott zugemutet wurde. 

Da müssen wir gar nichts schön reden, weder in der Bibel, noch in unserem Leben als Christen. Gott mutet Menschen im Laufe des Lebens mitunter viel zu. Wir müssen solche Erfahrungen nicht in unseren Herzen vergraben. Gott hält auch unsere Klagen darüber aus.

Jesus hält es aus, als Martha nach dem Tode von Lazarus zu ihm sagt: „Wärst Du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.“ Joh 11,21 Da spricht sich die Frage aus: „Wo warst du Gott? Du allein kannst doch das Schicksal wenden! Wo warst du Gott?“ 

Gott hält solche Fragen aus. Wir müssen es nicht verschweigen. Was Noomi Trauriges, Verstörendes und Vermeidbares in ihrem Leben erlebt, das sind Menschsein-erfahrungen! Wir dürfen Sie Gott entgegenschleudern und klagen. 

Doch warum wird Noomi für Rut und vielleicht auch für uns heute zum Glaubensvorbild? Von ihr ist ja kaum ein Wort der Klage überliefert! Wie bleibt der Glaube von Noomi trotz ihrer Schicksalsschläge am Ende so unerschütterlich? 

Noomi und schlussendlich auch Rut waren zwei Frauen, die auszogen, um eine neue Heimat zu finden. Eine Heimat, die Sicherheit und Schutz bieten sollte. Doch was sie fanden etwas anderes, sie fanden den lebendigen Gott. 

Sie fanden ihn gar nicht vordergründig in ihrem Lebenslauf, den ganzen Schicksalsschlägen. Was ließe sich aus diesem ganzen Verlust auch für ein Gottesbild ableiten? 

„Des HERRN Hand ist gegen mich gewesen“ (Rut 1,13), sagt Noomi und nur das konnte ihr das eigene Erleben vermitteln. 

Der Glaube an einen guten, an einen gnädigen Gott, lässt sich mitunter nicht unmittelbar aus der eigenen Lebensbiographie herleiten. Das werden die Heimatlosen unserer Tage, die Witwen, Kranken und Trauernden nachempfinden. 

Martin Luther spricht an dieser Stelle von der verborgenen Seite Gottes, dem deus absconditus. 

Auch der Glauben vermag es nicht, Licht in die Abgründe und Lasten des Lebens zu bringen. 

Aber der Glaube hilft, diese Finsternisse auszuhalten. 

Der Glaube an den lebendigen Gott lebt nicht nur aus den eigenen Erfahrungen, er lebt ganz wesentlich aus Gottes eigenen Verheißungen, aus seinem Wort. 

„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte“ (Ps 119, 105), sagt der Psalmist. 

Und manchmal erhellt dieses Licht nur einen so kleinen Bereich unseres Lebens, dass wir gerade so den nächsten Schritt finden und nicht zu Boden fallen. Doch mit diesen kleinen und wackeligen Trippelschritten im Vertrauen auf unseren himmlischen Vater wird dann, am Ende doch ein ganzer Lebensweg daraus. 

Ein Weg, der sich meist nur in der Rückschau erschließt und der doch Momente tiefer Gemeinschaft mit Menschen und tiefe Erfahrungen des Gottvertrauens birgt.

Lassen wir uns wie Rut nicht wegschicken von den Schicksalsschlägen des Lebens und von den bitteren, mageren Zeiten. Lasst uns festhalten an der Gemeinschaft und an unserem Gott, der selber kein Leid oder Tod gescheut hat, 

der dem Tod die Macht genommen hat, damit wir Leben haben, 

in Ewigkeit. 

Amen. 

Und der Frieden Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne, in Jesus Christus, unserem Herren. Amen.

Epistel und Evangelium

von H.-G. Hanl | 3. Sonntag nach Epiphanias

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