Passionsandacht in der Karwoche

Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, hauchte er seinen Geist aus.(Lukas 23,44-46)

Ich möchte gar nicht sterben, nein! Aber wenn – dann möchte ich so sterben, mit solchen Worten und so einer inneren Bewegung: Gott, ich befehle meinen Geist in deine Hände!

Nicht dass ich einverstanden wäre mit dem Tod. Dass wir sollten unser Leben lassen müssen, damit können wir nicht leicht einverstanden sein. Meist, wenn unsere Seele leicht ist und es uns gut geht, denken wir auch gar nicht dran. Jetzt, in der Pandemie, der weltweiten Seuche, müssen wir damit rechnen, müssen uns dagegen stemmen und möglichst alles dagegen tun, das wir daran sterben können.

Glücklich, wen die Angst davor nicht packt, wer sich auf das Leben, das Miteinander, den Schutz der anderen und die Hilfe konzentrieren kann. Aber dass wir vielleicht unser Leben lassen müssen, dass bleibt wie eine schwer fassbare, aber doch sehr mächtige Verschattung. Es wäre ein Tod zur Unzeit! Wir möchten das nicht!

„ … es kam eine Finsternis über das ganze Land …“ Mittags verschattet sich die Sonne. Das ist auch nicht die richtige Zeit. Und überhaupt ist auch dieses Sterben Jesu keines, mit dem er hätte einverstanden sein können. Es ist eine Hinrichtung, in ihrer ganzen Brutalität eine Machtdemonstration, die sich wendet gegen den Gott, der sich gibt und der sich nicht zurückhält, der die Verlorenen aufsucht, sie einlädt und sie ins Leben in seiner Nähe ruft.

Damit ist Schluss, sagt die Macht und setzt ihm ein brutales Ende. Schlimmer konnte es kaum kommen. Wie kann Jesus da sterben?

Er lässt sein Leben, er gibt es. In seinen Worten liegt: Gott, meine ganze Lebenskraft, meinen schreienden Schmerz, meinen Zorn, mein Hängen am Leben, meine Leidenschaft und mein Lieben, alles, was mir jetzt entrissen wird, das lasse ich mir nicht einfach nehmen, das lasse ich, das überlasse ich Dir, ich vertraue es Dir an. Du hast Hände, die das Leben ertasten und tragen, berühren und halten. In Deine Hände lasse ich mein Leben.

So könnte ich, so möchte ich, wenn es sein muss, auch sterben.

Ihr Pastor Dr. Kord Schoeler

 

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Passionsandacht – anders als gedacht

Als wir die Passionsandachten in diesem Jahr geplant haben, stand für uns das Nachdenken über die Klimakrise im Mittelpunkt. Das ist eine von Menschen gemachte Krise, jede und jeder Einzelne kann eigene schuldhafte Verstrickungen feststellen, die zu ihr beitragen.

Nun hat uns eine andere Krise getroffen, die gewissermaßen von außen über uns alle hereinbricht, uns gleichzeitig vereinzelt in unseren Häusern und ein großes Gemeinschaftsgefühl aufkommen lässt.

In unserer Kirche steht das Triumphkreuz, das jede Woche durch einen weiteren Rosmarinzweig geschmückt wird als „Baum des Lebens“:

Dies uralte Symbol steht dafür, dass Schuld, Leid und Tod nicht das letzte Wort haben: Dies tote Holz, das Wurzeln, Blätter, sogar Blüten und Früchte treibt verbindet uns in der Hoffnung, dass das Leben stärker ist als der Tod.

Die kahlen Balken, aus denen grüne Triebe sprießen – Gottes Leiden und Sterben für uns, als Wendepunkt – dem widmen sich weiterhin unsere Passionsandachten in diesem Jahr anhand von Jesu Worten am Kreuz.

Wir deuten sie als Worte von Versöhnung, Neuanfang, liebender Fürsorge, Mit-Leid, Sehnsucht und Gottvertrauen, als Worte des Lebens – auch und gerade in diesen Tagen.

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