Predigt "Ist angekommen!"

von Pastor Dr. Kord Schoeler | St. Andreas Harvestehude

Epistel und Evangelium

von H.-G. Hanl | Sexagesimae

Predigttext zum Nachlesen
Ist angekommen!

Predigt zum Sonntag Sexagesimae

Liebe Gemeinde,

möglicherweise kennen Sie das: der Glaube an Gott ist Ihnen wichtig und gehört einfach dazu – aber vieles daran bleibt Ihnen auch fremd. Sie verstehen es schon, aber es bedeutet Ihnen eigentlich nichts. Oder wenn Sie hören Gott ist die Liebe oder Er hat seinen Engeln befohlen, dass sich dich behüten, dann berührt Sie das vielleicht, sie finden es im Augenblick auch schön, aber es kommt nicht richtig an, es verändert nichts fühlbar in Ihrem Leben. Der Eindruck bleibt nicht.

Als Kirche erleben wir Ähnliches: Wir sind große lebendige Gemeinschaften und Einrichtungen, wir bauen Kathedralen und feiern Gottesdienste, sind im Internet präsent und begleiten Menschen in der Not, wir kommunizieren öffentlich so vielfältig wie kaum eine andere kulturelle Institution, und dennoch fragen wir uns oft: wen erreichen wir? Wer hört, was wir zu sagen haben? Und was verändert sich dadurch in der Welt? Viele Menschen kommen, manche kommen wieder, und viele bleiben weg.

(Ich sehe dabei jetzt noch ganz ab von schweren Versäumnissen und Fehlverhalten, die es gibt in der Kirche und mit denen wir Anlass geben sich abzuwenden – uns selbst und anderen.)

Der Text, der uns an diesem Sonntag beschäftigen soll, erzählt davon, dass Jesus und die ihm folgten, genau diese Erfahrungen auch kannten. Sie waren ratlos und unsicher wie wir. Allerdings Jesus wusste Rat. Er erzählt Gleichnisse, die helfen sollen, zum Beispiel dieses:

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu Jesus eilten, sprach er durch ein Gleichnis:

Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen.

Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf.

Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.

Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s.

Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht.

Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Lukas 8,4-8

Jesus führt durch einen Alltagsvorgang, der vielen bekannt ist und der sie auch immer wieder bewegen dürfte. Saatgut ist kostbar, man musste es abzweigen vom Vorrat, der meistens nicht reichlich war. Die Saat wird ausgebracht, und anschließend erst wird damals gepflügt. Aber dann wird eben doch der alte Trampelpfad über das Feld genutzt und die Vögel freuen sich an den Körnern. Schade Mensch! Die felsigen Flächen waren vor dem Pflügen nicht zu erkennen, da wächst nichts weiter. Auch verloren! Das dornige Unkraut lässt dem Weizen keine Chance. Oah nee, ne? Ackerbau ist eine mühsame Sache! Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Ja!

Auf diesen Moment der Erleichterung führt Jesus in vielen Gleichnissen hin, auf ihn kommt es an. Mehr noch, Jesus will damit sagen: so kommt Gottes Wirklichkeit in euer Leben. Er nennt das die Königsherrschaft Gottes oder auch das Himmelreich. Es kommt in diesem Augenblick, in dem ihr sagt: Ja! Das ist jetzt auch gut und reichlich!

Glaube und kirchliches Leben sind von Anfang an nicht grandios, eindeutig erfolgversprechend, verlustfrei oder von hoher Effektivität. Jesus teilt unser Leben, in dem vieles vergeblich ist, und er spricht in dieses Leben hinein. Er regt an, es ernst zu nehmen, wenn es an uns nagt, dass ein gutes Wort uns eigentlich nicht erreicht und keine Bedeutung für uns gewinnt, es auch ernst zu nehmen, wenn es uns eigentlich zu wenige sind in der Kirche. Ihr wollt dringlich, dass einfach alles gut und erfolgreich ist und dass nichts verloren geht oder vergeblich ist. Nehmt es ernst, bleibt für Euch und andere engagiert, haltet die Vergeblichkeit aus, so wie Jesus sich Zeit nimmt, diese Momente auszumalen, in denen wir nur sagen können: O nein, wie schade!

Dann seid ihr offen für die Pointe: Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Das ist dann sehr viel und sehr gut, und die glückliche Erleichterung zeigt Euch: Glaube ist kein Bestand, er lässt sich nicht bilanzieren, er ist immer im Augenblick.

Bleiben Sie behütet!                                                      Ihr Pastor Dr. Kord Schoeler

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