Weihnachten.Wieder.Ganz.Anders.

Weihnachtspredigt 2020

von Pastor Dr. Kord Schoeler | St. Andreas

Christfest 2020 – die Predigt von Pastor Dr. Kord Schoeler zum Nachlesen

Predigt zum Christfest 2020

Die Weihnachtsgeschichte aus dem Evangelium nach Lukas

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Lukas 2.1-20

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Gemeinde,

an diesem Heiligabend können Sie von der Kirche nur ein paar Worte mitnehmen, keine festliche Stimmung, keinen Eindruck von der Nähe vieler Menschen, keinen Nachklang von „O du fröhliche“, nur diese Ansprache, die ich Ihnen gern in der Kirche gehalten hätte. Nur ein paar Worte.

Das allerdings führt uns mitten in die Weihnachtsgeschichte hinein: was sich hier ereignet, ist zunächst alles andere als schön, nämlich verstörend und elend. Ein Kind kommt unterwegs und draußen zur Welt, die Eltern finden für das Neugeborene keinen anderen Platz als einen eilig leergeräumten Futtertrog für das Vieh und die Reittiere in der Karawanserei, in der sie nicht wirklich untergekommen sind. Es dürfte ein dreckiger und lauter Ort sein. Allein und in Ruhe bleibt die junge Familie hier nicht, auch weil zu allem Überfluss auch noch eine Gruppe von Hirten hereinplatzt, die irgendwoher von dem Neugeborenen gehört haben und jetzt gucken wollen. Die Hirten bringen vor, was die Zeugen des Geschehens – also wer hier sonst an diesem Abend seine Kamele abschirrt und noch einen Becher Wein oder eine ruhige Ecke zum Schlafen sucht – den Kopf schütteln oder nachdenklich werden lässt: ihnen seien Engel erschienen; dieser Säugling sei, so habe der Erste der Engel gesagt, niemand anders als der von allen erhoffte König, mit ihm werde Gott zum Guten und zum Frieden regieren. Sie erkennten es an den Zeichen, die genau so der Engel aufgezählt habe: liegt in einer Krippe, ist in Windeln gewickelt.

Die Worte ebenso wie der Glanz und der Klang ihres Gesangs seien so klar gewesen – es hätte die Hirten überwältigt, da bleibe bei ihnen jetzt kein Zweifel. Man kann sich vorstellen, dass sich die Verwunderung der Umstehenden eher in betretenem Schweigen geäußert hat. Diese Viehhüter hatten möglicherweise einen in der Krone. Mit dem Elendsbild vor ihren Augen ließ sich das nicht zusammenbringen. Die Wirklichkeit ist doch unausweichlicher als ein paar Worte, die einen anrühren mögen, von denen aber nicht klar ist, warum man ihnen Glauben schenken soll.

Auch für uns sind der drängende Schrecken dieser Tage, die Gefahr, die Trauer, der Verdruss und die Einsamkeit nicht leicht zusammenzubringen mit Weihnachten. Was können wir machen? Maria behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Was sie berührt und was sie doch noch nicht ganz erfasst, das behält sie. Diese Worte, die weit weg und dennoch bedeutend zu sein scheinen, bewegte sie in ihrem Herzen, sie bewahrt sie auf, nimmt sich Zeit und hält die Worte denkend und fühlend zusammen mit ihrem Ergehen. Für damalige Menschen war das Herz der Sitz einer besonderen Vernunft.

Wenn wir es ebenso machen, werden wir wie Maria Zeit brauchen und Raum im Herzen; und möglicherweise werden wir auffassen: Die Kirche bietet dieses Jahr nicht viel. Nur Worte von einem Gott, der selbst sehr klein wird und in beengte Verhältnisse kommt, eben in unser Leben. Worte können uns in diesen Zeiten aus der Enge herausführen und zwar durch ein berührtes, geweitetes Herz, dass sich in die engen Verhältnisse finden und fügen kann, das z. B. in seiner Weite nicht damit hadert, dass wir, um anderen das Leben zu bewahren, uns in ungeahnter Weise einschränken müssen.

Gott kommt, das sagt uns diese Geschichte, in die bedrückendste Enge, um in unsere Herzen Worte von Strahlkraft und Klarheit zu legen, wie sie nur die Liebe finden kann.

Frohe Weihnachten!

Ihr Pastor Dr. Kord Schoeler

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