Passionsandacht 01.04.2020

Wir sind im Ausnahmezustand – nicht nur im äußeren, alltäglichen Leben, sondern auch in unserem Innern. Täglich erreichen uns Fernsehbilder davon, wie Menschen mit  der Krankheit kämpfen, die ihnen den Atem nimmt und sie am Ende ersticken lässt und keiner kann ihnen in diesem Moment nah sein. Es erschreckt zutiefst, dass Menschen so etwas erleiden müssen. Niemand sollte verlassen sterben, aber wir können nichts daran ändern. Warum lässt Gott das zu?

Wie Gott sich zum menschlichen Leid stellt, das erfahren wir durch das Kreuz:

… Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund.  Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied. (Joh 19,29-30)

„Es ist vollbracht.“ – Im Griechischen nur ein Wort: Tetelestai! – ein Seufzer und danach das Loslassen und Gehenkönnen.

Also heißt das: Es ist zu Ende? „Es ist vollbracht.“ – Das klingt wie nach Abschluss einer schweren Aufgabe. Deutungsversuche, worin die bestand, gibt es viele: Loskauf von der Knechtschaft unter der Sünde, Opfer zur Besänftigung des väterlichen Zornes.

Jetzt, im Ausnahmezustand, wird uns klar, dass das Geschehen am Kreuz nicht wie eine absolviertes Projekt Gottes zu verstehen sein kann. Gott verlässt uns nicht nachdem er „es“ vollbracht hat, sondern ist hier und heute selbst im Ausnahmezustand.

Mensch geworden widerfährt ihm am Kreuz was in diesen Tagen Menschen erleiden: Er kann kaum noch atmen, fühlt sich verlassen, fragt nach dem Warum, dürstet nach Nähe und bekommt von weitem einen Schwamm auf einem Ysopstab gereicht, stirbt. All das hält er aus, der doch selbst das Leben ist. All das ist nicht zu Ende, weil es Gott jetzt unendlich schmerzt, dass Menschen solches erleiden müssen. Gott – Liebhaber und Quelle allen Lebens – bleibt in Jesus Christus bei den Kranken, den Sterbenden, den Toten und Trauernden, den Verlassenen, den Ohnmächtigen, den innerlich Aufgewühlten.

Aber gerade deshalb, weil Gottes Mit-Leid mit uns nicht zu Ende ist, ist zum Ziel gekommen –erfüllt – was Gott uns Menschen verspricht. Weil Gott selbst bei uns ist in alldem mit seiner unerschöpflichen Liebe, darum kann uns schon das tote Holz des Kreuzes zum Baum des Lebens werden. Denn wir sind durch dieses Bleiben des Lebendigen gehalten und hineingenommen in sein Versprechen: Wir sollen und werden gesund sein, beieinander sein froh sein, leben.

Ihre Pastorin

Ute Parra

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